altes - beauty - studium/leben - fashion

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Ein kleines Sammelsurium aus altem Plunder, ein wenig Beauty und SchiSchi, dem dämlichsten Studium der Welt, einem Leben im Schweinsgalopp, garniert mit etwas Kitsch und Schnickschnack!

Mittwoch, 4. April 2012

Alte und neue Zeiten

Guten Morgen meine Lieben,

seid ihr fit? Früh am morgen? 7 Uhr? Uschi selbstverständlich. Seit 6 Uhr morgen räume ich die Bude auf, da heute der Heizungsablesermann und mein lieber Herr Vermieter kommen. Da soll hier alles blitzeblank sein.

Aufgrund einer hinterlistigen Kopfschmerzattacke muss ich mich mich nun in Uschis kunterbunten Welt erholen.

Was gibts sonst neues? Gestern war Vorstellungstermin für mein Praxissemester und meine anschließende Bachelorarbeit. Ich war in meiner ersten Firma, wo ich schon zum Elektroniker ausgebildet wurde und gearbeitet hatte. Zwischen dieser Firma und dem Studium habe ich 2 Jahre als Programmiererin in einer Firma malocht, die widerum für meine erste Firma gearbeitet hat.
Diese Ursprünliche hat bei uns ein Werk mit ca. 10 000 Mitarbeitern und gehört zu den führenden Unternehmen der Region. Also wäre es schon nicht schlecht, hier ein kleines Beinchen wieder hineinzubekommen.

Beinchen mit Pumps. Nicht zu hohe. Ich ging vom Parkplatz ans Tor. Hey, Mensch Uschi. Für des das die Schuhe von H&M aus dem SALE waren, sinds ja doch ganz bequem. Die ziehst jetzt aber öfters an.

Nun ja, der zuständige Herr wollte mich bei Haupttor abholen. Mensch, die Uschi kennt sich doch aus und muss nicht abgeholt werden. Aber die Vorschrift will es wohl nun so.
Er holte mich also ab und begrüßte mich freundlich, aber steif. Oh scheiße Uschi, den kennst du nicht mal... Ob das gut geht... Ich bin ja danach auf eine Ingenieursstelle scharf. Es geht also nicht nur um ein popeliges Praktikum.

Wir näherten uns der Halle, einer von 100, gingen rein und steuerten zielstrebig auf meine alte Abteilung zu. Allein der Geruch. Willkommen zu Hause, Uschi. Schweißstaub. Jaha, Schmutz, Dreck. Ich mag es. Ich bin in Gottes Namen kein Entwicklungsingenieur, der im Pullunder im feinen Labor sitzt und gestelzt daherredet. Schlupenbluse: ja bitte gerne. Pullunder: nein, danke! Scheiß die fette Kohle an, wenn mich dann niemand mehr leiden kann. Am wenigsten ich mich selber.

Nun waren wir in der Nachbarabteilung von damals. Was für ein Zufall. Ich schälte mich sehr unelegant auf meinen Stuhl aus dem Trenchcoat. Herr Krawatte entschuldigte sich sofort dafür, dass er mir nicht aus dem Mantel geholfen hat. Olala, bin ich jetzt hier angekommen in der Upperclass der feinen Gesellschaft? Und außerdem, lieber Herr Krawatte, das ist kein Mantel, es ist ein Trenchcoat. Und ein flotter noch dazu. Und vor ein paar Jahren stand ich noch mit der Latzhosen, blonden schmutzigen Haaren in der Halle und nun soll man mir aus dem Jackerl helfen? Das kann Madame selber.
Ich habe zwar einen wunderbaren Hauch von Rosé aufgelegt, aber ich bin doch wohl keine Tussi. Ich tu nur so.

Das Gespräch fand mit zwei Herren statt. Der Eine, wir nennen ihn Herrn Krawatte sprach hochdeutsch. Oh nein, Uschi, zamreißen. Verfall nicht zu sehr ins Urwald-Bayrisch. Der Andere, Herr Bösewicht, war ziemlich genervt und angepisst. "Zefix, jetzt muss ich der ollen Zippe, die keine Ahnung hat das erklären. Ich habe keine Lust und möchte meine Ruhe. Und was will die Goas überhaupt mit ihren Pumps und ihren scheiß beschissenen Nude lackierten Nägeln hier? Lasst mich weiterschlafen!"

Wir, Herr Krawatte und ich, unterhielten uns also und im Laufe des Gesprächs merkte er, dass ich wohl doch sehr Ahung von der Materie, den Geplogenheiten vor Ort etc. habe. Schmeißt mit internen Typenbezeichnugen um euch. Kinder, das ist der Schlüssel des Erfolges! "Ah ja, den B56? Na Frale. War der das nicht mit dem Carbonteil? Jaja, da war ich beim Anlauf vorn in der F5784 mit dabei! Mei, des war a schware Geburt. Da hob i aber gschwitzt!". Uschi, Vorsicht! Wir sprechen heute nach der Schreibe.

Die Jungs waren entzückt. Herr Bösewicht, der immer tiefer in seinen Sessel gerutscht ist, rappelte sich langsam auf, und als ich auch noch Insiderwissen des Projektes hatte, grinste er wie ein Maikäfer. Herr Krawatte sprach plötzlich Herrn Bösewicht an. Es fielen die Worte Ideal, Perfekt. Um was gehts jetzt? Um die Feierabendplanung? Doch wohl nicht um mich? Schaut mich an, meine Herren. Perfekt? Wo? Weit und breit ist hier nichts perfekt, geschweige denn ideal? Ich habs: Sie reden von meinen linken kleinen Zeh. Der ist aber echt mal so was von deliziös.

Herr Bösewicht, der wohl auch nur dem Schein wegens sich der hochdeutschen Sprache angenommen hatte, konnte nicht mehr an sich halten und vergass seine Bemühungen. "Frau Uschi, I dat mi narrisch gfreint, wenn du bei uns afangst!" Was soviel heißt: Sie haben die Stelle.

Naja, wenn des so ist, gell, dann nehm mas halt. Wir schauten uns noch die Anlagen an und fachsimpelten ein wenig. Ich sah einen alten Azubikollegen. Er schaute mich an, als wäre ich vom fremden Planten. Was will die denn wieder hier? Mit Pumps und Hosenanzug? Gut, es waren schwarze Jeans und ein schwarzer Blazer. Aber für einen Mann wohl ein Anzug.

Wir gingen durch die Halle. Aus den gläsernen Stützpunkten, tauchte immer mal wieder ein Kopf auf. Tauchte ein Kopf auf, lief eine Reaktion ähnlich wie im Zoo ab. An welche Tiere haben sie mich wohl erinnert? Erst eins, dann zwei, dann....



Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht unwiderstehlich. Ich bin nicht Sex auf zwei Beinen. Aber ich habe Brüste und einen Hintern. Einen Hintern in einer knallengen Jeans. Einen großen Hintern in einer knallengen Jeans. Da schaut man hin. Der erregt Aufmerksamkeit. Ob das jetzt schön oder nicht, das steht widerrum auf einem anderen Papier.
Und ich hatte offene, lange Haare. Oha, eine Frau. Da gaffen, wir doch mal. Oha, kein Mannweib. Da gaffen wir doch gleich nochmal.

Die Schicht wechselte in diesem Atemzug. Meine alte Gruppe marschierte ein. Es wurde ein fröhliches Servus, Griasde, Habadere. Das gefiel den beiden Jungs. Die olle Zippe kann dann ja gar nicht so ein Miststück sein. Plötztlich ertöhnte ein Thrillerschrei... Oh nein, lass es nicht denn sein, denn ich meine.... Das könnte bei Herrn Krawatte unter Umständen nicht so gut ankommen.

"Hey Prinzessin, alts Schanirdl, was duast na du do? Kimmst du wieder zu uns, oder wos? Wia schauts as? Wo ist der Kucha? Trink ma a Halbe?"
Er brüllte dies über einen Höhenunterschied von 7,30 Meter. Jawohl, d´Muttl ist wieder da. Und es jeder weiß nun mittlerweile auch der Letzte. Aber wider Erwarten grinste Herr Krawatte nun auch wie ein Maikäfer und es gefiehl im sichtlich. Er hakte innerlich sicher das Problem mit einer Dame, die sich aufgrund Diskreminierung, rüigen Umgangston etc. beschwert ab.
Ich möchte keine rüpigen Umgangston. Wollen? Möchten? Ich bestehe darauf. Ich bestehe auf rüppigen Umgangston und schmutzigen Geplappere.

Nun machte sich Herr Bösewicht, der plötzlich ein Späßchen nach dem Anderen aus dem Ärmel zauberte, aus dem Staub und Herr Krawatte und ich tranken ein Käffchen. Er rief meinen alten Chef an, der jedoch längst durch den Buschfunk in Kenntnis gesetzt worden war, dass Muttl wieder da ist. Nach dem Kaffee gingen wir zu den Chefbüros und mein alter Chef, der schüchternste Mann der Welt drückte und quetschte die Uschi. (Sie haben übrigends eine neuen jungen Ingenieur. Breiter Rücken, Arme wie ein Tier, ein Sahneschnittchen. "Ja hola, Guten Tag! Sind sie der neue Herr Inspektor? Wenn ja, ich war heute schon furchtbar ungezogen!")

Mr. Alter Chef rannte nun im Großraumbüro hin und her und schrie die ganze Zeit was von einem Date. Er habe jetzt keine Zeit, er habe schließlich ein Date. Ja, nun hats ja jeder gehört, dass der ewige Junggeselle nun mit der ollen Praktikantenzippe Kaffee saufen geht.
Was ist mit dem in sich gekehrten Mann passiert?

Ich verabschiedete mich nun mit lockerer Stimmung aus dem Büro. Herr Krawatte schnappte mich nochmal. "Du Uschi, ich sag etz einfach Uschi zu dir, ich bin da Maxl. Rühr dich einfach bei mir. Du siehst ja, dass du hier herzlich willkommen bist und wir uns wirklich alle sehr freuen würden, dich im Team zu haben. Du bringst auch wirklich jeden Montag Kuchen mit?"

Raus aus dem Büro mit mir. Die Büros haben Scheiben. Ich ging kurz austreten und sah dann wie Mr. Krawatte seinen Schlips runterriss und in die Ecke pfefferte. Ich klopfte ihm, grinste zeigte ihm den erhobenen Zeigefinger. Nun war wohl auch die letzte Steifheit abgelegt.

Nach dem Kaffee mit alten Chef ging ich noch mit einigen anderen alten Kollegen vorbei. Koffeinschock. Ich bekam Eis am Stiel. Ein großes Hallo, ein großes Widersehen.
Da kommt man doch gerne zurück.

Abschlusssatz einer meiner liebsten Kollegen: "Hey Uschi. Da Michl ist etz a Elektriker. Weißt warum? Weil er an Kurzen hat!" Hahahahaha. Ja, ich bestehe auf rüpigen Umgangston, nehme die Pumps in die Hand und gehe mit Feinstrumpfsockerl zum Parkplatz und betrachte blutende Füße mit Blasen an den Zehen. Oh nein, mein schöner, linker, kleiner perfekter Zeh. Er ist nun ein Krüppel.

Eure 
Uschi





Kommentare:

  1. Melanie4/04/2012

    Uschi, wie immer zauberhaft geschrieben.

    Ich bewundere dich sehr. Diese Leichtigkeit, dieses Flattrige, dass aber doch so wunderbar klappt.

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    1. Vielen dank, liebe Melanie!

      Bewundern? ich weiß nicht. Durchgehalten habe ich zwar, aber geschenkt wurde mir nichts und die Leistungen waren teilweise schon sehr blamabel.

      Aber ich bin ein Frühlingskind, ein Kind der Sonne, ein Schmetterling, der der Sonne entgegenflattert!
      Ja, so ist und so soll es sein!

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  2. Endlich eine ordentliche Frau, die anpacken kann! So wie ich es liebe! ;)

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    1. Ordentlich? Die Uschi?
      Sie hat zwar ihr Leben im Griff. Zwar mit etwas Gewalt, aber dennoch im griff.

      Aber Ordnung? Da frag mal meine Mitstudentin und mein Tierchen. Ich kann es ihnen nicht recht machen.
      Wenn ich mir das noch näher überlege, könnten sich die beiden zusammentun und mit Staubsauger und Tintenkiller die Weltherrschaft an sich reißen.

      WOW! Das ist die Idee des Jahres! Danke Speeby!

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  3. Anonym4/04/2012

    uschi, du bist aber auch ein verflixtes luder!

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  4. Herzlichen Glückwunsch zum Job :-) Hoffe du feierst das noch ordentlich :-)))

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    1. Danke frau Flamingo!
      logisch! mit 2 Lipsticks, 2 Nagellacke, 1 Gloss und nicht zu vergessen 1 Deoroller!

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