altes - beauty - studium/leben - fashion

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Ein kleines Sammelsurium aus altem Plunder, ein wenig Beauty und SchiSchi, dem dämlichsten Studium der Welt, einem Leben im Schweinsgalopp, garniert mit etwas Kitsch und Schnickschnack!

Donnerstag, 2. Januar 2014

Komm mit mir ins Abenteuerland!

Guten Morgen liebe Welt,
 
es ist kurz nach sechs Uhr morgens, als ich diese Zeilen tippen.
Was gibts sonst so neues bei mir? Nicht viel. Die Zeit... Die liebe liebe Zeit.
 
Würde "Wetten das?" noch boomen und es mir nicht als Schande ausgelegt werden würde, würd ich doch tatsächlich eine Teilnahme in Erwägung ziehen.
Finde die fünf Firmen in der Stadt, bei denen alle Mitarbeiter Überstunden machen, man bei einem "pünktlichen Feierabend" (Hallo??? Ich bin seit 5 Uhr morgens da und das war vor ganz genau 12 Stunden!") mit einem verstohlenen Blick auf
die Uhr schräg angesehen wird und bei denen man darin buhlt, seinen Jahresurlaub mittlerweile auf einen dreistelligen Bereich angesammelt zu haben.
Jippiehyeah, ich stehe ja auch Sammelfahrten. Mit den Weibchen gemeinsam in die Insolvenz, mit den Kollegen bitte eine Kaffeefahrt in den BurnOut.
Witz beiseite. Man sollte ja froh sein, in der heutigen Zeit, dass man Arbeit hat, dass es den Firmen gut geht und dass man gutes Geld verdient. Und wenns an nem zusätzlichen Wochenende ist, dann ist dies nun so.
Wenn aber aus dem Nachbarsbüro ein schriller Schrei mit einem Wortlaut ala "I brenn as!" ertönt, meine Damen und Herren, dann verzeiht es mir, dass ich fassungslos den Kopf schüttle und mir doch den ein oder anderen Gedanken über meine Berufswahl mache.
 
Aber wie schaffe ich es? Wie schaffe ich es, wieder heraus zu kommen? Heraus aus dem Arbeitssumpf, der mich ab einem bestimmten Pegel nicht mehr schlafen lässt? Wie schaffe ich es, mit den Gedanken rauszukommen aus einem Projekt, dass scheinbar komplett aus dem Ruder läuft? Dass uferlos erscheint? Einschnitt: Ich lackiere mir die Nägel. Eine Schicht Microzell Repair Dingens-Unterlack. Trocknen lassen. Eine Schicht Farblack. Trocknen lassen. Zweite Schicht Farblack. Trocknen lassen. Eine Schicht Sally Hansen Topcoat. Trocknen lassen.  Und drüber noch OPI Trip Trop DingsBums  Schnelltrocknungszeug. Und was mache ich nachts? Knibble mir im Schlaf den Lack von den Zeigefinger ab. Na, herzlichen Dank. Lackieren wir halt neu. Is ja gleich passiert! Eine Schicht Mikrozell-Unterlack blablabla. Also, wie rauskommen aus schlaflosen Nächten oder Nächten, in denen man scheinbar Quatsch macht?
 
Und es gibt da genau eine Möglichkeit. Einen Countdown. Wie lange noch? Wie oft muss ich noch schlafen? Wie oft die Augen schließen? Wie oft die Augen aufmachen?
Wie oft muss ich noch schlafen, dass ich DICH frühmorgens um 05:30 Uhr abholen darf? Dass ich an deinem Küchenfenster vorbeifahren kann, wo ich Mutti im schneeweißen Bademantel erblicke, die dich verabschiedet und herzlich drückt? Die kleine, glückliche Familie vom Land.
Wie oft muss ich noch schlafen, um mit dir eine Zugfahrt zu absolvieren? Wie oft noch schlafen, um an deiner Seite betrunken durch den Sicherheitscheck zu laufen? Wie oft muss ich noch schlafen, um mit dir mein gesamtes Monatseinkommen noch vor der eigentlichen Reise mit Duftwässerchen und NailPolish auf den Kopf zu hauen? Wie oft muss ich noch einschlafen, um mit dir gemeinsam einen Teil der Welt zu erkunden? Wie oft noch? Quäl mich und sag es!

Und so saß ich nach einer anstrengenden Eingewöhnungszeit in der neuen Firma um 10 Uhr vormittags da. Dachte an meine Arbeitskollegen. Was werden Sie wohl gerade tun? Ist noch Land in Sicht oder ist die Resignation bereits eingeschritten? Zereisst es sie grad in der Luft?
Und was mache ich? Was tu ich wohl? Während sie malochen und mit dem Mr. BurnOut Brotzeit machen? Was wohl? Ich sitze mit einem knappen neonpinken Bikinihöschen bei 35° im Schatten im Jakuzzi und sauf die zweite Pina Colada. Und fühle mich dabei wundervoll. Tja, that´s life!
 
Und so gingen wir heuer das zweite Mal auf Wanderschaft. Nach einer grandiosen, luxuriös anmutenden entspannenden Geburtstagswoche in Dubai im Hilton Hotel mit sanften Klängen der Hintergrundsmusik. Mit dem Wort SPA ist alles beschrieben. Entpannung, Luxus, Seele baumeln. Und dieses Mal? Diesen Mal machten wir uns auf nach Afrika. Ins laute, bunte Afrika. Ins lebensfreudige Afrika. Auf nach Boa Vista. Auf nach Boa Vista, Baby.
Auf in den Pauschaltourismus.
 
Wir kommen in München an, ich seh die Lackierung des Fliegers, ich seh die Leute in Treckingsandalen mit strahlend weißen Tennissocken. Hurra. Da sind sie: die Pauschaltouristen.
Die Gedanken schweifen mit beächtlichen Tempo durch meine Gehirnwindungen. Es schießt mir in den Kopf: Ja, vermutlich. Es muss so sein.... Sie werden klatschen.
Scheiße, gibts was schlimmeres als klatschende Touris bei der Landung eines Flugzeuges??? Nein, da können ich und mein lautes Mundwerk sich nicht mehr halten und machen unseren Unmut klar und deutlich sichtbar.
 
Wir schweben also über den kapverdischen Inseln ein, untermalt mit einem der dümmsten Kommentare des Jahres 2013 von der blitzgescheiten Sitznachbarin, die sich nachdem sie sich unsere Gala  auch noch die Cosmopolitan unter den Nagel gerissen hat.
"Oh, seht mal. Windkraft wird hier also auch staatlich gefördert!" Ach du Schande....
 
Wir kommen im Flughafen an, schnappen uns die Koffer und werden von einer leicht untersetzten käseweißen Frau mit zerzausten roten Gestrüpp aufm Kopf empfangen. "Hallo, mein Name ist Bianca und ich werde ihre Reisebegleitung sein!"
Ach du Schande.... Was hab ich gebucht? Herr im Himmel.... Eine Reiseleitung! War die Buchung im Eifer des Gefechts doch etwas zu kurz überlegt? Wo sind wir hier überhaupt? Was spricht man hier für eine Sprache? Hätten wir Geld wechseln müssen? Wer bin ich? Wie ist mein Name? Hätte ich mich impfen lassen sollen? War es nicht sowieso zu riskant, auf die notwendige Trombosespritze zu verzichten? Malaria? Tuberkolose? Heiliges Kanonenrohr Prost Mahlzeit! Sehr gut informiert. Wer bin ich? Hey dear, what´s wrong with us? Aber hey, was solls? Wir sind jung, spontan und abenteuerlustig. Crazy verrückt und sowieso.... 
....und sitzen in einem Tui-Reisebus mit 28 anderen Muttis in feschen weißen Caprihosen (wahlweise auch gerne 7/8) und bunt karierten Tunikas, die angesichts unseres Beautyköfferchens in ein Langzeitkoma mit halbseitiger Körperspastik gefallen sind.
 
"Ach du heiliges Kanonenrohr. Mütterchen hilf! Hoffentlich müss ma etz net noch ewig mit diesem scheiß Bus in der Pampa rumkurven. Hast du ne Ahnung?" "Nä! Ich dachte, du hast dich informiert?" "Nä!"
"Ich bin ihre Reiseleitung Bianca! Sie werden in 3 Minuten ihr Strandhotel erreichen!" "Wat? Wat is das denn? In ner halben Stunde Bikini. Isch werd verrückt! Wie toll ist das denn?".

Wir wurden begrüsst mit dem Slogan des Landes "No stress! Hakuna Matata!" Und den schönsten Männern dieser Welt. Und wenn ich schönste Männer der Welt meine, ja dann meine ich auch die Schönsten. Kein Gramm Fett und doch muskulös. Gesichter gemeiselt wie aus Stein. Granit. Wohl auch die Hinterbacken in diesem edlen Gestein. Ästhetisch.
 
Also, angekommen. Rein in den pinken Bikini. Rein ins Meer. Gelbe Flacke. Pah, kein Problem. Bin wagemutiges Mädchen. Fahre ja schließlich auch jegliche Vorbereitungen und Informationen in ein fremdes Land. Was will mir da so ne kleine Welle? Sagte sie, sprang lächelnd mit Hurra mit schwarzen widerspenstigen wilden Locken und pinken Bikini rein in die Flut. Kam schnaufend mit Angst geweiteten Augen, schneeweißen Haaren wieder raus. Nackt.
Meine Damen und Herren. Ich habe den Tod ins Auge geblickt. Unter der Wasseroberfläche gegen den Meeresboden geknallt zu werden. Und es wird schwarz. Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du hin, liebe Uschi. Hinüber. Das war´s! Du wolltest noch so viel erleben in deinen jungen Jahren. Jetzt biste hinüber. Ertrunken. Auf Boa Vista, Baby. Und sie werden dich nackt mit einer Bikinihose zwischen den Kniekehlen herausfischen wie einen Thunfisch. Und du wusstest noch nicht mal die Sprache und Währung dieses Landes.
Und das letzte Bild, dass mein Weibchen von mir hatte, ist ein kleiner Gnom, der kreischend mit nackten käseweißen Hupen zwischen zwei Wellen um Hilfe gekreischt hat. Nichts mit Schneewitchen-Look im Sarg mit Porzellainteint und 50er-Jahre Catwing-Lidstrich im Glassarg.
 
So dackle ich auf wackligen Füßen zur Pooldusche und versuche mir den schneeweißen Sand aus den Haaren zu waschen und werde gleich tatkräftig von mehreren Beachboys unterstützt. Um Gottes Willen, das arme Mädchen. "Where is your Boyfriend? Warum hat er dich nicht beschützt?" Ich werde von starken Händen gegen die kühlen Poolkacheln gedrückt. (Nackt bin ich ja bereits) und mir werden lustvolle Wörter ins Ohr geflüstet. "Boyfriend? Welcher Boyfriend, my dear!"
Was auch in der Realität soviel heißt wie "Scheiße. Wo ist Paul Mitchell, wenn man ihn einmal braucht??? Ich brauche ein Awapuhi Wild Ginger Intensive Treatment. Und zwar jetzt augenblicklich und sofort!"
Ich ziehe mir die Bux wieder an Ort und Stelle, gehe lassiv zu meiner Liege und merke beim Schwingen meines ausladenenden Hinterteils ungewöhnliche Vorgänge. Was ist in meiner Bux? Hab ich mir vor Angst doch wohl nicht ins Höschen geschissen? Nä, geht nicht. Ausgeschlossen. Hatte ja keines mehr an.
Und so hatte ich eine Wurscht aus Sand in meiner Bux und kein dazu gehöriges Loch.
 
Meine Damen und Herren, fragt nicht, wo der Sand sonst noch überall war. Heute drei Monate später knirscht das Wattestäbchen im Gehörapperat noch immer.
 
Auch die Badehose muss bei der wilden Todesfahrt einen Schaden genommen haben. "Also, des Glump vom H&M is a nimmer des, was es mal war. Immer weiter wird de blöde Bux!" Sagte sie, und die Bux verabschiedete sich beim Einstieg ins Wasserloch und schmiegte sich sanft um die Archilisferse. Dem Herren sei Dank war neben dem Einstieg des Wasserloches ein kleiner Busch gepflanzt, hinter dem man sich mit einem gewagten Sprung (mit nacktem Arsch) tadellos verstecken konnte. Lieber Herr im Himmel, das nächste Mal könntest du nur bittesehr darauf achten, hinter den Versteckbusch keine vollbesetzte Poolbar zu platzieren. Danke!
 
Und so wurden wir innerhalb einer Woche zu Pauschaltouristen, die morgens bereits sehnsüchtige warteten, dass die Pforten der Poolbar geöffnet wurden. Die bereits vormittags der Mittagszeit entgegenfieberten. Mittagszeit ist gleichgesetzt mit Wassergymnastikzeit. Und Wassergymnastikzeit bedeutet jede Menge perfekt gebauter Animateure, die mit nackten gestählten Oberkörper in der Sonne um die Wette glitzerten. Und so lagen sie auf einer Liege im Pool (Leute, das ist ein Schmankerl) mit einer eiskalten Pina Colada und wippten mit den Zehen im Takt der Wassergmynastik-Musik. Sie wurden von anderen Badegästen mit Sangria bedient. "Hase, der Sangria schmeckt irgendwie wie Glühwein" wurde untermalt von einem wild kreischenden Engländer "IT`S LIKE CHRISTMAS! IT`S LIKE PARADISE!"
 
Und so ging eine Woche herrlicher Entspannung, viel Gekichere, viel Heiterkeit und Trubel zu Ende und ich würde jederzeit wieder hinreisen: Nach BoaVista, Baby, unserer Insel der Lebensfreude! Nach BoaVista, unserer Insel des Lächelns.

Eure 
Uschi